EuGH Urteil „Pflicht zur Einführung der Zeiterfassung“

„Vertrauensarbeitszeit in bisheriger Form nicht mehr möglich“

Was bedeutet dies für deutsche Unternehmen? Ein untragbares Maß an Bürokratie oder eine lang ersehnte systematische Erfassung der teilweise untragbaren Überstunden von Arbeitnehmern? Sicherlich nicht für jeden eine Win-win-Situation.

Nach der Rechtsprechung des EuGH ist die gesamte Arbeitszeit vollständig zu dokumentieren.

Aber was bedeutet dies in der Praxis?

Großer bürokratischer Aufwand! Ein bestehendes Zeitwirtschaftssystem muss gegebenenfalls angepasst werden, Arbeitszeitmodelle müssen überdacht werden und wenn es keine Zeiterfassung im Unternehmen gibt? Dann ist es meist mit hohem Aufwand verbunden eine solche einzuführen.

Bislang waren Arbeitgeber lediglich verpflichtet, Überstunden zu dokumentieren, also jede zusätzliche Arbeitsstunde nach acht Stunden zu erfassen. Das soll sich künftig ändern: Alles, was die Arbeitnehmer an Arbeitszeit leisten, muss dokumentiert werden.

Aber nun von Anfang an, wie kam es zu diesem Urteil?

Geklagt hatte eine spanische Gewerkschaft vor dem Nationalen Gerichtshof in Spanien: Die Arbeitnehmervertreter wollten die Deutsche Bank in dem Land verpflichten, die täglich geleisteten Stunden ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vollständig aufzuzeichnen. Die Kläger vertraten die Ansicht, dass nur so die Einhaltung der vorgesehenen Arbeitszeiten sichergestellt werden könne. Auch in Spanien besteht keine allgemeine Pflicht zur Erfassung von geleisteter Arbeitszeit. Die spanische Gewerkschaft argumentierte, dass die Zahl der Überstunden aber nur korrekt ermittelt werden könne, wenn die gesamte Arbeitszeit dokumentiert werde. Derzeit würden 53,7 Prozent der Überstunden in Spanien gar nicht erst erfasst werden. Der Nationale Gerichtshof des Landes legte den Streit dem EuGH vor. Dort bestätigten die Richterinnen und Richter die Auffassung der Kläger.

Die Rechte, die die EU ihren Bürgerinnen und Bürgern zuspreche, verbürgten „das Grundrecht eines jeden Arbeitnehmers auf eine Begrenzung der Höchstarbeitszeit und auf tägliche und wöchentliche Ruhezeiten“, begründete der EuGH die Entscheidung. Ohne ein System der Arbeitszeiterfassung könne weder die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden und ihre zeitliche Verteilung, noch die Zahl der Überstunden objektiv und verlässlich ermittelt werden. Auch sei es sonst „für die Arbeitnehmer äußerst schwierig oder gar praktisch unmöglich, ihre Rechte durchzusetzen“, weil sie im Arbeitsverhältnis den strukturell unterlegenen Part darstellten.

Fazit: Rückschritt der Flexibilität

Die Herausforderungen modernen Personalwesens sind umfänglich: New Work-Konzepte, Fachkräftemangel und damit einhergehend Employer Branding, die Digitalisierung, Automatisierung, der demografische Wandel und fast nebenbei noch permanente Anpassungen des Gesetzgebers im Rahmen der Grundlagenarbeit im Bereich der Entgeltabrechnung sowie Lohnbuchhaltung.

Dieser Beschluss ist ein absoluter Rückschritt in der digitalen Arbeitswelt. Flexible Arbeitszeitmodelle, Home-Office, mobiles Arbeiten und viele andere Aspekte der Modernisierung und Attraktivitätssteigerung von Unternehmen werden dadurch minimiert.

Aber keine Panik!! Mit der OP&V als strategischen Partner im Bereich HR beraten wir Sie gerne im Bereich Zeiterfassung:

  • Welches Zeitwirtschaftsprogramm passt am besten zu Ihnen und kann Ihre Bedürfnisse am besten abdecken?
  • Wie können wir die Prozesse möglichst schlank gestalten, um den bürokratischen Aufwand für Mitarbeiter und Führungskräfte am geringsten zu halten?
  • Wie kommuniziere ich dieses Szenario am besten mit Mitarbeitern und dem Betriebsrat?
  • Wie können wir die Flexibilität und den Freiraum für die Mitarbeiter größtmöglich beibehalten?

Bei diesen und vielen weiteren Fragestellungen rund um dieses Thema, stehen wir Ihnen gerne beratend zur Seite oder übernehmen die Einführung und das Tagesgeschäft für die Zeiterfassung, damit Sie sich weiterhin um die wichtigen Dinge im Unternehmen kümmern können.

Sprechen Sie uns jederzeit an!